Highlandpony blickt zurück

Wenn ich das gewusst hätte…..

Claudia Kauscheder hat zu dieser Blogparade aufgerufen. Ein spannendes Thema mit vielen Facetten. Ich bin schon sehr gespannt, was ich alles für interessante Geschichten lesen werde und wie Andere dieses Thema angehen.

Mich hat das Thema auf jeden Fall sofort fasziniert. Als ich den Aufruf zu dieser Blogparade gelesen habe, purzelten gleich viele Gedanken wild durch meinen Kopf.

Denn anders, als in der bekannten Brillenwerbung, hätte ich so einiges anders gemacht.

Und obwohl mich das Thema sofort begeisterte, begann mich die Frage zu beschäftigen, ob so eine Betrachtung überhaupt Sinn macht. Oder führt das nur dazu, dass ich künftig ängstlich und zaghaft werde?

Macht diese Reise in die Vergangenheit Sinn?

Will ich wirklich noch einmal meine falschen Entscheidungen beleuchten? Was bringt das?

Während ich im Auto unterwegs war oder den Rasen gemäht habe, habe ich darüber nachgedacht:

Einmal ist keinmal – Fehler nicht wiederholen

Nur wenn ich über meine Entscheidungen nachdenke, von einer gewissen Distanz aus alles reflektiere, erkenne ich was zu dieser Entscheidung geführt hat. Und wie sich das letztlich auf mein Leben und mein Business ausgewirkt hat.

Nur so kann ich mir darüber klar werden, aus welchen Gründen ich die Entscheidung getroffen habe und kann so, in Zukunft, viel besser Gegensteuer geben.

Denn einmal einen Fehler machen ist vertretbar, ja manchmal auch unumgänglich, aber denselben Fehler zweimal zu machen ist dumm.

Von der Lebensgeschichte der Anderen lernen?

Ist das wirklich möglich? Ich bin mir da nicht so sicher, denn jeder von uns ist anders. Die Entscheidungen, die wir treffen mögen zwar ähnlich sein, aber sie unterscheiden sich auch.

Deshalb ist es, meiner Meinung nach, nur begrenzt möglich aus den Erfahrungen von Anderen zu lernen. Trotzdem bietet so eine Blogparade natürlich die Möglichkeit die verschiedensten Lebensentwürfe zu sehen und auch herauszufinden, wieso jemand gerade diese oder jene Entscheidung getroffen hat.

Daraus resultieren auf jeden Fall spannende Erkenntnisse und faszinierende Geschichten.

Nachdem ich diese Fragen für mich geklärt hatte, habe ich mich auf die Reise in meine Vergangenheit gemacht :).

Wenn ich das gewusst hätte….

Hätte ich einiges anders gemacht. Wenn ich auch sagen muss, dass ich mit meinem Leben so wie es ist sehr zufrieden bin.

… hätte ich eine Lehre als Grafikerin gemacht

Als es bei uns in der Schule langsam darum ging, sich für eine Lehre oder eine weiterführende Schule zu entscheiden, wurden uns verschiedene Berufe vorgestellt.

Nur einer hat mich sofort fasziniert: Grafikerin. Ich wusste sofort, so was würde mir gefallen. Aber dann sagte der Grafiker, der uns von seinem Beruf erzählte, zum Schluss: Eine Voraussetzung sei, dass man zeichnen könne.
Damit verschloss sich für mich eine Türe. Denn ich konnte und kann nicht zeichnen. Hätte ich mich ein wenig mehr damit befasst, hätte ich wohl gemerkt, dass ich trotzdem Grafikerin hätte werden können.

Daraus habe ich gelernt, dass es sich lohnt sich nicht von den eigenen „Das kann ich ja doch nicht“ aufhalten zu lassen. Was ich wirklich will, das schaffe ich auch.

Stattdessen besuchte ich die Diplommittelschule und habe danach eine Lehre als Agrolaborantin begonnen. Eine merkwürdige Wahl. Ich hatte wohl den Gedanken die Lehre zu machen und mir dann einen Job in der Forschung für biologischen Landbau zu suchen. Mir wurde schon nach ein paar Wochen klar, dass das eine falsche Entscheidung war. Immerhin hatte ich den Mut die Lehre abzubrechen. Dank meinen guten Noten konnte ich direkt in eine kaufmännische Lehre wechseln. Nicht sehr aufregend, dafür hatte ich damit eine tolle Basis.

… hätte ich mich viiiiel früher mit dem Computer befasst

Du glaubst es vielleicht nicht, aber ich war in der letzten Klasse, die den Abschluss im KV auf der Schreibmaschine gemacht hat. Und noch besser: Ich war dankbar dafür, denn mit diesen blöden Computern konnte ich so gar nichts anfangen :).

Ein Traum von mir war es immer selbstständig zu sein. Von zu Hause aus arbeiten, mir meine Zeit einteilen zu können.

Das war der Grund, wieso ich mich entschied, Buchhalterin zu werden. Ich habe es tatsächlich durchgezogen und den Fachausweis als Buchhalterin gemacht. Allerdings fühlte ich mich damit gar nicht wohl.

Als ich noch auf der Suche nach einer Stelle als Buchhalterin war, hat mich eine Kollegin angerufen.

Ob ich nicht auch mitkäme an eine Schule im Saarland, dort könne man sich zur Webdesignerin ausbilden lassen. Als ich dafür recherchierte, wurde mir schnell klar, dass ist es. Das will ich machen.

Denn in der Zwischenzeit hatte ich mich, erst im Büro, dann auch daheim an den PC gewöhnt. Das Internet faszinierte mich. All diese Möglichkeiten, für mich geradezu perfekt.

Das Ende vom Lied war, das ich alleine, mit meinem Hund Joy, die Webmaster Akademie besuchte. Meine Kollegin ist vorher abgesprungen.

Während der Ausbildung kam ich ganz schön ins Schwitzen. Die Anderen waren alle viel besser vorbereitet. Sie arbeiteten schon sehr lange mit Computern und hatten bereits Websites erstellt. Ich habe also schnell bereut, dass ich den PC zuerst so abgelehnt hatte, aber ich hab’s geschafft und die Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen.

Eine kleine Anekdote am Rande: Meine Joy durfte mich während der gesamten Ausbildung begleiten. Sie wurde das Klassenmaskottchen.

… hätte ich früher den Sprung von der Freelancerin zur Unternehmerin gemacht

Nach der Ausbildung begann ich ein Praktikum bei einer Webdesign-Firma. Leider war die Firma schon da in einer finanziellen Schieflage und sie ging dann bald in den Konkurs. Und so wurde ich sehr viel früher selbstständig als geplant.

Ich hatte grosses Glück und durch meinen ehemaligen Arbeitgeber fand ich auch gleich meinen ersten Auftraggeber. Fast mein einziger Auftraggeber um genau zu sein. Mir war damals nicht bewusst, dass ich damit eigentlich eine Freelancerin war und keine Unternehmerin.

Freelancerin

Sehr lange Zeit genoss ich einfach dieses Auftragsverhältnis, Freiheit und doch ein regelmässiges Einkommen. Aber das Ganze hatte natürlich auch seine Schattenseite. Ich habe dadurch versäumt mein Marketing aufzubauen. Da kein äusserer Zwang bestand und ich auch so hin und wieder noch zusätzliche Kunden fand, war ich äusserst zufrieden.

Das ging viele Jahre gut so. Ich bildete mich weiter und meine fachlichen Qualifikationen verbesserten sich ständig. Damals habe ich auch mit dem Bloggen begonnen und habe mein Profil auf Twitter und Facebook angelegt. So wurde ich auch auf Monika Birkner aufmerksam und hörte zum ersten Mal von der „Zeit gegen Geld Falle“ und mir wurde bewusst, dass ich kein Unternehmen habe, sondern einfach Freelancerin bin.

Zu dieser Zeit wurde klar, dass mein Auftraggeber seinen Auftrag drastisch reduzieren musste, da er ebenfalls deutlich weniger Arbeit hatte und plötzlich war da ein Riesenloch.

Nun war ich im Zugzwang und musste vieles verändern. Ich bereute, dass ich mich nicht schon viel früher auf den Weg gemacht hatte. Aber jammern hilft ja bekanntlich nichts und so stürzte ich mich ins Abenteuer „Unternehmerin“.

Ich gab meinem Herzensprojekt dem „Pferdenetzwerk“ (damals noch Pferdekurse) eine Chance und begann diese Plattform aufzubauen. Damit konnte ich sehr viele Kontakte knüpfen und einen Grundstein legen. Allerdings hatte ich noch keine Strategie. Ich bin einfach losgelaufen, ohne konkretes Ziel. Durch Pferdekurse wurde auch eine Frau auf mich aufmerksam, die eine Geschäftspartnerin suchte.

… hätte ich mich nie auf meine Geschäftspartner eingelassen

Diese Frau hatte mit einem Geschäftspartner ein Online-Kursverwaltungstool entwickelt, dass die perfekte Ergänzung zu meiner Plattform Pferdekurse war. Gemeinsam wollten wir eine tolle Pferdeplattform erschaffen, die für alle einen Mehrwert bringen sollte.

Die Frau war mir ausnehmend sympathisch und ich war der Meinung, miteinander ist besser als gegeneinander. Deshalb war ich bereit nahezu wertlose Aktien zu kaufen und habe mich gegen den Rat meiner Familie darauf eingelassen. Ich wollte mir ein zweites berufliches Standbein schaffen und glaubte fest, dass wir als Team das schaffen könnten.

In den nächsten 16 Monaten habe ich mehrere 100 Arbeitsstunden, sehr viel Geld und meine Kontakte in die neue Plattform eingebracht. Leider habe ich nicht als Unternehmerin gedacht und war viel zu naiv. Ich fühlte mich mit meinen Aktien ausreichend abgesichert und habe nicht auf eine detaillierte schriftliche Vereinbarung bestanden. Hier passt der Spruch: „Wer heute den Kopf in den Sand steckt, wird morgen mit den Zähnen knirschen“.

Das Ende

Und so endete das Ganze für mich in einem Desaster. Kaum war die Plattform fertig, wurde ich rausgeworfen. Ich hätte noch als Aktionärin bleiben können, aber hätte (fast) kein Mitspracherecht mehr gehabt.

Nichts mehr mit zweitem Standbein und vorerst das AUS für mein Herzensprojekt. Zuerst war da nur Schock. Wie konnte ich mich so in Menschen täuschen. Ich weiss heute noch nicht, wie ich unfallfrei heimfahren konnte, nach diesem „Meeting“.

Danach kam die Wut und damit auch der Plan, ich gehe vor Gericht. Ich kann unzählige Aufträge belegen, entweder will ich meine Arbeitsstunden bezahlt haben oder wenigstens mein Geld zurück. Einige Zeit wurde ich fast aufgefressen von dieser Wut und dem Wunsch mich zu rächen. Zum Glück hatte ich ein Umfeld, das mich nicht darin bestärkt hat, sondern mir empfahl auf einen Prozess zu verzichten.

Und so habe ich mich entschieden loszulassen. Auch wenn das jetzt so einfach tönt, das war es nicht. Es war und ist ein langwieriger Prozess. Während ich das so schreibe kommen viele der Gefühle von damals wieder hoch. Und ich sehe, dass ich damit noch nicht völlig abgeschlossen habe.

Ein neuer Anfang

Sicher, ich hätte einiges in meinem beruflichen Leben anders gemacht, aber wirklich schlimm war nur die Entscheidung mich so naiv auf Geschäftspartner einzulassen.

Und trotzdem kann ich rückblickend auch Gutes darin erkennen. Ohne diesen Tiefpunkt wäre letztes Jahr wohl vieles nicht möglich gewesen. Beispielsweise hatte ich immer Probleme mich vor eine Kamera zu stellen, das hat mir ganz plötzlich nichts mehr ausgemacht.

Ich hätte mich auch nie so konsequent auf den Weg gemacht ein richtiges Unternehmen aufzubauen, statt einfach nur den nächsten Kunden zu suchen.

Durch diesen Fehler habe ich mich verändert und damit hat auch mein Leben eine neue Wendung genommen.

Liebe Claudia ich danke dir für diese Blogparade, ohne die ich mich nie so intensiv mit diesen Stationen aus meinem Leben beschäftigt hätte. Dadurch habe ich erkannt, dass mein Leben zwar alles andere als geradlinig verlaufen ist und trotzdem einen roten Faden hat. Und vor allem führe ich genau das Leben das ich will.

Highlandpony blickt zurück

Hoi, ich bin Claudia Barfuss

Seit über 15 Jahren helfe ich Tierunternehmern, sich im Web zu präsentieren und mit ihrer Website zu punkten. Ich unterstütze dich dabei, von der Positionierung bis zur stimmigen Website. Damit deine Website eine Brücke zu deinen Kunden bildet und du sie mit Stolz zeigen kannst.

Mehr von mir findest du auf:

Claudia Barfuss mit Hund und Katzen

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